Montag, Juli 15, 2024
ArchitekturDa geht noch wasKlimaMessestadt Riem

Tiefgarage

In der Münchner Stadtpolitik wird das Thema Tiefgaragen aktuell diskutiert und es zeichnet sich ein Meinungsumschwung über die Notwendigkeit des Stellplatzschlüssels ab. Diese Vorgabe legt bei Neubauten die Anzahl der Kfz-Parkplätze fest und liegt gegenwärtig bei 1:1 (für jede neue Wohnung ist somit ein Tiefgaragenplatz mitzubauen). Mittlerweile zeigt sich, dass Aufwand und Bedarf nicht mehr so richtig zusammenpassen. Mit wachsenden Carsharing-Angeboten, einem zeitgemäßen öffentlichen Nahverkehr, hohen Halterkosten und einem sich wandelnden Image des Autos nimmt für viele das Interesse am eigenen Wagen ab.
Zudem sind Tiefgaragen aufwendig, teuer und umweltbelastend. Hier wird viel Beton verbraucht, bei dessen Herstellung große CO2-Emissionen entstehen.
Für das geplante Neubaugebiet des 5. Bauabschnitts im Westen der Messestadt sind zwei oberirdische Quartiersgaragen vorgesehen, die dann später – auch um Material und Energie zu sparen – bei Bedarf umgebaut und umgenutzt werden könnten.
Zwar wird es weiterhin auch Tiefgaragen geben, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß wie das bisher der Fall war. Und mittlerweile kann man auch den Stellplatzschlüssel reduziert bekommen, wenn ein Mobilitätskonzept (z. B. mit einem Car-Sharing-Stellplatz) vorgelegt wird.

„Parkyzone“ 2010

Plakat zur Zwischennutzung der Tiefgaragen in der Messestadt. Rechnet man die Tiefgaragen im Viertel alle zusammen, kommt man auf beachtliche Flächen und Raumvolumen. 14 Jahre später dürften sich diese Zahlen um etwa das Doppelte erhöht haben.

Der aktuelle Stand dürfte geschätzt bei ca. 180.000 m2 liegen (Riem Arcaden nicht mitgerechnet). Mit den mindestens geplanten 20.000 m2 des noch entstehenden 5. Bauabschnitts kommen insgesamt ca. 200.000 m2 Fläche zusammen.
Dies entspräche dann einer Gesamtfläche von etwa 40 Fußballfeldern.

Vom Autoschlafplatz zum Kunstraum

Das Familienauto kam immer schwerer durch den TÜV und wurde eigentlich auch nicht mehr gebraucht. Daraufhin entwickelte sich der Stellplatz in der Tiefgarage zur Stellfläche für andere Dinge, die irgendwann auch thematisch zusammengestellt wurden. (Leichtmetallfelgen, bequeme Sitze, große Minibar und wichtig: vorne Grill.) Was in der Folge den Brandschutz auf den Plan rief. Dennoch: ein interessanter Kunstraum war geboren. (Gibt es auch nicht so oft in der Messestadt.)

Die Abkürzung TG wird in der Regel für Tiefgarage verwendet. GT – italienisch Gran Turismo, englisch Grand Touring, französisch Grand Tourisme, kurz GT und frei übersetzt „große Fahrt“ (Grand Tour) – beschreibt den Verwendungszweck ursprünglicher GT-Fahrzeuge, also relativ komfortabler und gut motorisierter Sportwagen.
In der Reihe TG-GT geht es zwar auch um Verkehr, allerdings mehr um dessen Veränderungsprozess, der im Zuge der Klimaaufheizung stattfinden wird. So gesehen wäre GT auch als „Große Transformation“ zu übersetzen. Die TG ist ein Autoschlafplatz, hier ruht der Individualverkehr, bevor er wieder in Bewegung gesetzt wird. Tiefgaragen sind teure Räume, die oft im Zuge des Immobilienerwerbs im Rahmen der vorherrschenden Stellplatzverordnung mitgekauft werden müssen. Viele Eigentümer würden sich diese Kosten beim Kauf ihrer Wohnung gern sparen.

Die Verpflichtung zum Kauf oder zur Miete eines Stellplatzes pro Wohneinheit ist – zumindest für autofreie Haushalte – unsozial. Es gibt auch keine Kostenwahrheit bei großen Wohnanlagen, weil die TG-Plätze meist unterhalb der realen Baukosten angeboten werden, der Rest über die Wohnungen querfinanziert wird.

Tiefgaragen ziehen hohe Folgekosten an Unterhalt und Sanierung nach sich. Zudem sind Tiefgaragen relativ unflexible Räume, die für anderweitige Nutzungen nur bedingt oder gar nicht geeignet sind.
TG-GT probiert aus, was man mit so einem Raum alles anstellen kann, ohne gleich wieder vom Brandschutz einkassiert zu werden.

Die Tiefgarage
als Lebensmittel-Storage

Im Viertel gepflückte Äpfel kühl eingelagert und in der Tiefgarage nebenbei für längere Haltbarkeit mit CO2 begast. Vorstellbar wäre auch eine Champignonzucht, ähnlich wie das in den Katakomben unter der alten Flughafentribüne gemacht wurde.